Saniert — gestärkt — ertüchtigt

Friedloser Fuldabrücke für Verkehr freigegeben / Künholz dankt Bürgern für Geduld / Deponie wieder erreichbar
(Ludwigsau, 08. Mai 2012). Die Fuldabrücke in Ludwigsau-Friedlos kann wieder befahren werden: Nach elf Monaten Bau-Zeit, nach 11 Monaten Sperre und Stillstandszeit, wurde die frisch sanierte und ertüchtigte Fuldabrücke durch Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz in ihrer Funktion als Vorsitzende des Abfallwirtschafts-Zweckverbandes Landkreis Hersfeld-Rotenburg (AZV) wieder für den Verkehr freigegeben. Diese Brücke ist der entscheidende Übergang über die Fulda, wenn man die Abfall-Deponie des Kreises erreichen will. Über diese Brücke müssen fast alle LKW, die Materialien zur Deponie befördern oder von dort abfahren.

Seit 1903 überspannt die Brücke als Bogenbauwerk die Fulda. Seitdem haben Millionen Fahrzeuge die Brücke genutzt — und sie hat im Laufe der Jahre stark unter den größer gewordenen Lasten gelitten. Denn während bis zum Jahr 2005 nur LKW mit maximal 30 Tonnen Gewicht zur Deponie fuhren, haben seitdem ungezählte LKW mit 40 und mehr Tonnen Abfall das Entsorgungszentrum verlassen. Für diese Gewichte, die sich auf die rechte Fahrbahnseite der Brücke konzentrierten, war die Brücke nicht dauerhaft ausgelegt. Die Brücke gab dem Druck nach: Die schweren Lasten haben von oben auf die Brückenfüllungen aus Sand gedrückt und der Sand versuchte, zur Seite auszuweichen, was zu den bekannten Schadensbildern führte.
„Ohne die Sanierung hätte die Brücke für den allgemeinen Verkehr gesperrt werden müssen und der AZV hätte auf sein Entsorgungszentrum und seine Deponie verzichten müssen. Die zuverlässige Abfallentsorgung im Landkreis Hersfeld-Rotenburg stand damit auf dem Spiel“, erklärte Künholz anlässlich der Wiederinbetriebnahme der sanierten Brücke. Sie ging auch auf die Eigentumsverhältnisse ein und begründete die Übernahme der Brücke durch den AZV: „Seit Einrichtung der Deponie auf dem Mittelrück in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ist die Brücke der entscheidende Zugang zur Deponie des Landkreises. Daher war es folgerichtig, dass der Kreis die Brücke von der Gemeinde Ludwigsau übernahm und sie an den AZV weitergab, der sich bei seiner Gründung in der Satzung bereit erklärt hatte, alle Pflichten des Kreises im Zusammenhang mit der Abfallentsorgung zu übernehmen“.
„Heute steht die sanierte Brücke wieder stark und tragfähig bereit und ist auf eine maximale Belastung von 60 Tonnen ausgelegt. Das ist sehr erfreulich“, betonte Künholz. Sie war erfreut, dass die Brücke in ihrer ursprünglichen Form als Bogenbrücke erhalten werden konnte und auch die nächsten Jahrzehnte für den Verkehr zur Verfügung steht. Mit der Aufstellung eines Bau-Steines möchte der AZV nach Darstellung der Vorsitzenden an die wechselvolle Geschichte des Flussübergangs und der Brücke erinnern: In den vergangenen Jahrhunderten versuchte man, Flusstäler auf dem kürzest möglichen Weg zu überqueren, da die Täler selbst häufig versumpft waren und Verkehr mit Wagen nicht zuließen.
Der Weg von Friedlos nach Osten über Friedewald ins Werratal querte deshalb an dieser Stelle die Fulda. War es anfangs eine Furt, die die Flussüberquerung ermöglichte, so wurde die erste feste Holzbrücke im Jahr 1865 erbaut. Die heutige 90 Meter lange Bogenbrücke, mit „Bossenmauerwerk“ aus Sandstein ersetzte diese Holzkonstruktion ab 1903. Im Jahr 1945 erlitt sie das Schicksal vieler Brücken in dieser Zeit — ein Bogen der Brücke wurde durch die Wehrmacht gesprengt; aber im November 1946 hatte die Gemeinde Friedlos die Brücke wiederhergestellt. Künholz dankte in diesem Zusammenhang Hans-Otto-Kurz für seine Recherchen zur Geschichte der Brücke. Sie dankte auch der Gemeinde Ludwigsau mit Bürgermeister Thomas Baumann und der Stadt Bad Hersfeld mit Bürgermeister Thomas Fehling, vertreten durch Stadträtin Elke Hohmann, und insbesondere den Bürgern von Sorga und Kathus, die in der Bauzeit den Umleitungsverkehr vor den Türen hatten.

Eigentlich hätten die Bauarbeiten bereits im November 2011 abgeschlossen sein sollen. Doch unliebsame Überraschungen sorgten für Verzögerungen, so mussten deutlich mehr Mauerfugen neu ausgefüllt werden, als bei der Brückenschau zum Vorschein gekommen waren. Auch die Druckplattenversuche hatten nicht das ganze Ausmaß des Dilemmas gezeigt. Die Belastbarkeit des sandigen Füllmaterials zwischen den Bögen war sehr unterschiedlich, an einigen Stellen reichte es für 60 Tonnen aus, an anderen Stellen war es deutlich zu niedrig. Für eine tragfähige Brücke mussten alle Bögen ausgeräumt und mit Leichtbeton wieder aufgefüllt werden. Gleiches galt dann für die Brückenauffahrten, die ebenfalls verstärkt werden mussten. Die Kosten der Sanierung bezifferte Künholz auf 1,1 Millionen Euro, wovon das Land Hessen etwa die Hälfte übernommen hat. Sie dankte allen, die am erfolgreichen Sanierungsprojekt mitgewirkt hatten und gab die Brücke mit besten Wünschen für eine allzeit unfallfreie Querung für den Verkehr frei.
Foto-1: Am „Bau-Stein“ mit Erläuterungstafel zur Brücke (v.l.n.r.): AZV-Geschäftsführer Georg Körner, Ludwigsaus Bürgermeister Thomas Baumann, Erste Kreisbeigeordnete und AZV-Vorsitzende Elke Künholz und Chronist Hans-Otto Kurz
Foto-2: Obligatorisches Durchschneiden des Bandes und Freigabe der sanierten Fuldabrücke bei Friedlos durch (vorne v.l.) Kreisbeigeordneten Heinz Schlegel, Ludwigsaus Bürgermeister Thomas Baumann, Bad Hersfelds Stadträtin Elke Hohmann, Kathus stellvertretende Ortsvorsteherin Heike Koch, Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz, Kreistagsvorsitzender Horst Hannich, Kreisbeigeordneter Walter Schmidt und AZV-Geschäftsführer Georg Körner
Foto-3: sanierte Fuldabrücke, Bogenbrücke mit Bossenmauerwerk und Eröffnungsgästen

