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Jeden Tag eine “Gefährdetenmeldung”
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Die Waldhessen passen noch besser auf Nachbars-Kinder auf
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![]() Foto: www.pixelio.de
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(Bad Hersfeld, 10. Dezember 2007). Die Schlagzeilen über tote und misshandelte Kinder haben auch im Landkreis Hersfeld-Rotenburg zu einer größeren Sensibilisierung der Bevölkerung geführt. Die Waldhessen passen noch besser auf Nachbars-Kinder auf. “Zur Zeit erreicht uns im Jugendamt beinahe jeden Tag eine sogenannte Gefährdetenmeldung, mit der uns mitgeteilt wird, wo das Wohl und die Gesundheit von Kindern bedroht scheint”, berichtet Erste Kreisbeigeordnete und Jugenddezernentin Christa Bittner.
“Es ist gut, dass unsere Bürgerinnen und Bürger wachsam sind”, bewertet sie die eingehenden Meldungen positiv. Zwar seien etwa ein Drittel der gemeldeten Fälle bereits bekannt und mitunter denunzierten sich gerade nach Trennungsgeschichten Familien gegenseitig, aber jeder Gefährdeten-meldung werde sofort nachgegangen. Bei Kindern unter drei Jahren schaut der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) der Kreisverwaltung noch am gleichen Tag nach, ob unmittelbarer Handlungsbedarf besteht, bei Kindern unter 14 Jahren innerhalb von 24 Stunden. Darauf haben sich die Jugendämter in Nordhessen geeinigt, als sie eine Handreichung und Dienstanweisung zum Umgang mit Gefährdetenmeldungen untereinander abgestimmt haben. “Daran halten sich unsere Mitarbeiter strikt”, betont Christa Bittner.
Zudem ist im Landkreis bereits ein Netzwerk “Familienbildung” eingerichtet, das “Frühe Hilfen” für Risiko-Familien nahezu immer auf der Tagesordnung hat. “Um die Arbeit dieses Netzwerks noch besser zu koordinieren, schaffen wir mit dem Haushalt 2008 eine weitere Stelle. Die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter soll auch eng mit der Sucht- und Drogenhilfe zusammen arbeiten und Risikofamilien unterstützen”, kündigt die Jugenddezernentin an.
Die Arbeit im Netzwerk werde auch durch das neue Hessische Kindergesundheitsschutzgesetz gestärkt, das in dieser Woche noch in Wiesbaden beschlossen werden soll. In einer zentralen Datenbank werden dann nicht nur alle in Hessen geborenen Kinder gespeichert, sondern auch alle ihre Vorsorge-Untersuchungen, denen sie sich unterzogen haben. Werden dabei Lücken festgestellt, werden die Eltern mit einem Brief darauf hingewiesen, die Untersuchungen nachholen zu lassen. Gibt es keine Reaktion, wird der Landkreis informiert. Der ASD muss dann diese Familien aufsuchen.
“Wie wir bei den Einschulungsuntersuchungen festgestellt haben, sind es in jedem Jahr über 300 Eltern, die ihre Kinder gar nicht oder nur gelegentlich bei einem Arzt zur Vorsorge vorstellen. Wir hoffen, dass sich die Zahl verringern wird, wenn das Hessische Kindergesetz in Kraft tritt”, sagt Christa Bittner und hält es für wichtig, dass es im Landkreis mit dem Netzwerk schon eine Institution gibt, die in schwierigen Fällen früh helfen kann.
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“Wir können damit Risiken minimieren, aber für die absolute Sicherheit unserer Kinder können wir leider nicht garantieren, weil menschliches Verhalten nicht immer kalkulierbar ist”, stellt Christa Bittner fest.
Jedes Jahr zwei bis drei dringende Fälle
Nach Gefährdetenmeldungen aus der Bevölkerung müsse das Jugendamt jedes Jahr in zwei bis drei dringenden Fällen eine Betreuung außerhalb der Familie für Kinder finden, weil deren Wohl und Gesundheit ganz massiv gefährdet gewesen sei, erklärt Erste Kreisbeigeordnete Christa Bittner. Insgesamt habe sich seit 1997 die Zahl der Kinder, die Erziehungshilfen benötigen, von 323 auf 477 erhöht. Allerdings – und das ist gegen den Trend in der hessischen Jugendhilfe – ist im Landkreis die Zahl der stationären Hilfen im gleichen Zeitraum von 271 auf 254 gesunken.
“Das hängt maßgeblich mit unserem umfangreichen Präventionsprogramm zusammen. Und man muss natürlich auch berücksichtigen, dass sich gleichzeitig die Zahl der ambulanten Hilfen für Kinder nahezu vervierfacht hat”, gibt Christa Bittner zu bedenken.
Aber in diesem Bereich dürfe der Landkreis nicht nachlassen. Die Sozialplanung im Fachreferat Kinder- Jugendhilfe habe bereits einen Vorschlag erarbeitet, der den Aufbau früher Hilfen in einem Netzwerk darstellt. Dazu gehören Fortbildungsangebote mit Schwerpunkt Kindergefährdung in Kindertageseinrichtungen, die Umsetzung des Hessischen Kindergesundheitsschutzgesetzes, die Ausbildung von Familienhebammen, die Risikofamilien über die traditionelle medizinische Hilfe hinaus Unterstützung anbieten können, ein deutlicher Ausbau der Familienbildung und vor allem eine lückenlose Zusammenarbeit von allen, die im Bereich des Gesundheitswesens und der Jugendhilfe tätig sind, damit kein Kind verloren gehen kann.
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