Demographischer Wandel - Zukunftskonzepte sind gefragt 

Von Landrat Dr. Michael H. Koch 

Unsere Gesellschaft verändert sich: Wir werden weniger, älter und bunter. Es kommen immer weniger Kinder zur Welt. Das heißt, dass mittel- bis langfristig auch immer weniger Menschen in Deutschland leben werden. In vielen deutschen Kommunen sind die demographischen Veränderungen deutlich spürbar: abnehmende Bevölkerungszahlen, eine Zunahme des Anteils älterer Menschen und ein deutlicher Rückgang des Anteils von Kinder und Jugendlichen.

Aufhalten lässt sich die Bevölkerungsentwicklung mittelfristig nicht mehr, aber ein aktiver Umgang mit dem gesamten Thema kann die negativen Auswirkungen lindern helfen. Die Landkreise und Kommunen stehen daher vor einer großen Herausforderung, denn bei gleichzeitig angespannten Haushaltslagen, ist es zwingend notwendig Politikkonzepte zu überdenken. 

Die Eckdaten aus der letzten Bevölkerungsvorausberechung des Statistischen Bundesamtes belegen, dass der Geburtenrückgang seit Jahren stattfindet. Die Einwohnerzahl wird bis zum Jahr 2050 in Deutschland von derzeit ca. 82,5 Millionen Einwohnerrinnen und Einwohnern auf gut 70 Millionen zurückgehen, der deutliche sichtbare Rückgang beginnt etwa 2013. Die Zahl der unter 20-jährigen wird sich von 17 Millionen auf 12 Millionen verringern und der Anteil der über 60-Jährigen wird von rund 28 % auf 37 % steigen. Die kritischen Verschiebungen im Altersaufbau unserer Gesellschaft werden zwischen 2010 und 2030 erwartet.

Diese Verschiebung der Altersstruktur bringt Herausforderungen für alle Bereiche der Politik und auch des täglichen Lebens mit sich. Parallel dazu haben vor allem ländliche und wirtschaftlich schwächere Regionen mit Abwanderung zu kämpfen. Auch hier in unserer Heimat, in unserer ländlichen Region, sind die Folgen dieser Entwicklung bereits spürbar. Insbesondere junge Menschen wandern ab und unsere Gesellschaft wird älter.

Statistische Berechnungen sagen einen dramatischen Bevölkerungsrückgang voraus. Das gilt, wenn wir nichts tun, wenn wir wie das Kaninchen auf die Schlange starren.

Das gilt aber nicht für uns und unseren Kreis. Wir haben in den vergangenen Jahren alles daran gesetzt, uns einer solchen Entwicklung entgegen zu stemmen und wir werden dies in der Zukunft verstärkt tun. Wohlwissend, dass wir mittelfristig diesen deutschlandweiten Trend nicht umkehren können.

Aber: Wir können ihn verlangsamen, und wir können ihn abschwächen.

Und das tun wir — auch zukünftig und mit aller Kraft!

Im Übrigen werden wir den demographischen Wandel annehmen. Wir werden das Potential und die Chancen, die uns die zunehmende Zahl älterer, vitaler und immer aktiver werdender Seniorinnen und Senioren mit ihrer großen Lebens- und Berufserfahrung bietet, für die gesamtgesellschaftliche Wohlfahrt nutzen.

Dazu gehört:

- dass wir Impulse für mehr Beschäftigung Älterer schaffen und

- dass wir deren Erfahrungen für das Ehrenamt in Vereinen, sozialen Einrichtungen und Netzwerken verstärkt nutzen

- dass wir den Zusammenhalt der Generationen vertiefen

- dass wir unsere Familien stärken, indem wir familienfreundliches Handeln in das Zentrum aller unserer Entscheidungen stellen, beispielsweise durch die Schaffung familienfreundlicher Arbeitsbedingungen und durch ein neues Denken für unsere Arbeits- und Lebenswelt (verbindliche und flexiblere Betreuungsangebote etc.) 

Im Oktober 2008 hat mein Vorgänger Dr. Karl-Ernst Schmidt im Landratsamt eine Stelle für Zukunftsfragen eingerichtet, die diesen Erfahrungen ebenfalls Rechnung trägt.

Folgende Themenschwerpunkte sollen dort erarbeitet werden:

Die Ergebnisse demographischer Forschung sind zu skizzieren und daraus die wichtigsten Themen für den Landkreis Hersfeld Rotenburg abzuleiten

  • Es sind Rahmenbedingungen für den Familienfreundlichsten Landkreis zu schaffen
  • Es werden die Konzepte für Integration, Bildung, Kinder- und Familienfreundlichkeit und Seniorenpolitik begleitet
  • Die Kommunalen Handlungskonzepte der einzelnen Kommunen und Städte im Landkreis sind zu begleiten und daraus Ressourcen zu erfassen
  • Die Leerstände sind zu erfassen, um die Siedlungsstruktur unserer Dörfer und Städte weiter zu entwickeln, insbesondere um die Ortskerne zu stärken
  • Eine Zusammenführung von Schulen und Vereinen zur Stabilität der Mitgliederzahlen und zur Ausweitung der Ganztagsangebote an den Schulen
  • Eine Verbesserung der Breitbandversorgung in unserem Landkreis
  • Ideen und Potenziale der Bürgerinnen und Bürger sind aufzunehmen und bei den Entwicklungskonzepten mit zu berücksichtigen
  • Bei zukünftigen Verwaltungsentscheidungen und Planungen wird der Aspekt des demographischen Wandels berücksichtigt

Wir müssen Stadt- und Dorfentwicklung als Zukunftsaufgabe begreifen, insbesondere was das Zusammenleben und Zusammenwirken der Generationen angeht und wir müssen eine erreich- und bezahlbare hochwertige Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum weiter gewährleisten. 

Allein diese Punkte lassen erkennen, wie viele Bereiche von den sich ändernden gesellschaftlichen Rahmendaten betroffen sind. 

Dabei ist eines gewiss: Unsere Kinder sind unsere Zukunft! 

Das gilt generell und das gilt in besonderer Weise, wenn wir uns den Herausforderungen der demographischen Entwicklung erfolgreich stellen wollen!

Für eine aktive Gestaltung des demographischen Wandels auf kommunaler Ebene gibt es keine Patentrezepte, die überall gleichermaßen Erfolg versprechen können. Vielmehr ist es notwendig, die für unterschiedliche Demographietypen entwickelten Maßnahmenbündel den Bedingungen vor Ort entsprechend zu interpretieren und zu konkretisieren.