Schülerbeförderung

Kostenfreies Schülerticket für alle: Land sieht keine Erweiterung – Landkreis hält an Forderung fest


Wer in Hessen mit Bus und Bahn zur Schule fährt, kennt die Ungerechtigkeit: Manche Schülerinnen und Schüler bekommen das Hessenticket kostenlos, andere nicht – obwohl sie dieselbe Schule besuchen. Der Grund sind die im Hessischen Schulgesetz festgelegten starren Entfernungsgrenzen und die Begrenzung auf bestimmte Jahrgangsstufen. Der Kreistag Hersfeld-Rotenburg hat diese Ungerechtigkeit bereits im Juli 2021 per Resolution kritisiert und die Hessische Landesregierung aufgefordert, ein kostenfreies Schülerticket für alle einzuführen – unabhängig von Wohnort, Entfernung und auch über die zehnte Klasse hinaus.

Mitte Januar 2026 ist nun – nach erneuter Nachfrage der Kreistagsvorsitzenden und viereinhalb Jahre später – endlich eine Antwort eingegangen. Das Hessische Ministerium für Kultus, Bildung und Chancen (HMKB) teilt darin mit: Eine Ausweitung des Beförderungsanspruchs werde „auf absehbare Zeit“ nicht kommen. Begründet wird das mit fehlenden Mitteln des Landes und der Aussage, dass nicht alle Landkreise und Städte gleichermaßen leistungsfähig seien. Statt einer landesweit gerechten Lösung soll es bei freiwilligen Leistungen einzelner Schulträger bleiben.

Die Kreistagsvorsitzende Petra Wiesenberg sagt dazu: „Das Land lässt sich viereinhalb Jahre Zeit und sagt dann im Kern: Wir können oder wollen das nicht bezahlen – macht ihr Kommunen das freiwillig. Das ist realitätsfern. Gerade in Zeiten, in denen kommunale Haushalte kaum noch Luft für freiwillige Leistungen haben, ist das eine Verschiebung der Verantwortung nach unten. Für Familien heißt das: Teilhabe wird weiter vom Geldbeutel und vom Wohnort abhängig gemacht.“

Was diese Antwort für Familien konkret bedeutet

Für viele Familien bleiben die Unterschiede im Alltag bestehen: Ob ein Kind in Hessen kostenlos mobil ist, hängt weiter von Entfernungsregeln und der jeweiligen Situation vor Ort ab – nicht vom Bedarf. Schülerinnen und Schüler aus Familien mit mittlerem Einkommen werden dadurch ökonomisch und sozial benachteiligt. Auch private Ausflüge oder Fahrten zu kulturellen Einrichtungen hessenweit scheitern häufig an zusätzlichen Ticketkosten. Besonders betroffen sind zudem Jugendliche über die zehnte Klasse hinaus: Wer Abitur macht oder zur Berufsschule geht, muss längere Wege weiterhin selbst finanzieren. Wenn Bus und Bahn aber nicht bezahlbar sind, verstärkt dies im ländlichen Raum den Druck, auf das Auto auszuweichen – mit Folgen für Verkehr, Klima und die Organisation des Familienalltags.

Landkreis nimmt Antwort zur Kenntnis – sieht aber weiterhin Klärungsbedarf

„Die Resolution des Kreistags hat das Ziel klar benannt: Bildung und Mobilität dürfen nicht vom Wohnort, Entfernungsgrenzen oder dem Geldbeutel abhängen. Wenn das Land ein landesweites Schülerticket organisiert, braucht es dafür eine landesweit faire und verlässliche Regelung – nicht den Verweis auf freiwillige kommunale Leistungen. Wir nehmen die Antwort aus Wiesbaden zur Kenntnis, halten die Argumentation aber für nicht überzeugend und werden das Thema weiter gegenüber dem Land ansprechen“, so Kreistagsvorsitzende Petra Wiesenberg.

 

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