
Gefahrenabwehr
Landrat und Fachdienst Gefahrenabwehr einig: Regionale Leitstellen müssen erhalten werden
Landrat Torsten Warnecke ist sich mit Thorsten Bloß, Leiter des Fachdienstes Gefahrenabwehr und Kreisbrandinspektor Marco Kauffunger einig, dass regionale Leitstellen erhalten werden müssen.
„Die Zentrale Leitstelle des Landkreises Hersfeld-Rotenburg ist ein unverzichtbarer Bestandteil der öffentlichen Gefahrenabwehr und weit mehr als eine reine Rettungsdienst-Disposition. Wer Leitstellen ausschließlich unter Kostengesichtspunkten betrachtet, verkennt ihre tatsächliche Rolle“, sagt Landrat Torsten Warnecke.
Ortskenntnis rettet Zeit und Leben
Ein wesentlicher Vorteil regionaler Leitstellen ist die konkrete Orts- und Strukturkenntnis. Disponentinnen und Disponenten kennen nicht nur Straßennamen, sondern auch topografische Besonderheiten, Zufahrten, Gefahrenlagen und lokale Netzwerke.
Ein Beispiel vom Anfang des Jahres zeigt das eindrücklich: Bei einem Brand auf Schloss Ludwigseck konnte der diensthabende Disponent aufgrund seiner Ortskenntnis sofort erkennen, dass die steile Zufahrt bei Glätte problematisch sein könnte. Parallel zur Alarmierung der Feuerwehr wurde der Bauhof eingebunden, um bei Schwierigkeiten einzugreifen.
„Solche Entscheidungen kann niemand treffen, der irgendwo in Hessen sitzt und noch nie im Landkreis Hersfeld-Rotenburg unterwegs war, sondern nur ein Mensch mit regionaler Erfahrung und dem passenden Netzwerk“, so Landrat Warnecke: „Im ländlichen Raum wird gemeinsam angepackt und schnellstmöglich gemeinsam ein Problem gelöst.“
Hintergrund: Mitte des vergangenen Jahres haben die Landesvertretung Hessen des Verbands der Ersatzkassen e.V. (vdek), die Kassenärztliche Vereinigung Hessen und die Björn Steiger Stiftung die aktuelle Struktur des Rettungsdienstes in Hessen kritisiert und eine landesweite virtuelle Gesundheitsleitstelle gefordert.
Leitstelle ist mehr als Rettungsdienst
In der Debatte wird seitens des Verbands der Ersatzkassen und der Kassenärztlichen Vereinigung fast ausschließlich der Rettungsdienst betrachtet. „Dabei wird ausgeblendet, dass die Leitstelle auch für sämtliche Feuerwehren, den Katastrophenschutz, die Zivile Verteidigung sowie die Warnung der Bevölkerung verantwortlich ist“, so Kreisbrandinspektor Marco Kauffunger.
Zudem ist die Leitstelle eng mit dem Fachdienst Gesundheit, etwa bei Infektionslagen, der Krankenhauslandschaft und lokalen Hilfsorganisationen und ehrenamtlichen Strukturen verzahnt.
„Diese kurzen Wege, persönlichen Kontakte und gewachsenen Netzwerke sind ein zentraler Erfolgsfaktor, gerade im ländlichen Raum“, betont Thorsten Bloß.
Vernetzt statt zentralisiert
Bereits heute sind die hessischen Leitstellen in einem Leitstellenverbund organisiert. Notrufe gehen nicht verloren, Überläufe werden im Notfall von Leitstellen aus Nachbarkreisen übernommen. Außerdem sind moderne Techniken wie eCall aus Fahrzeugen, oder digitale Notrufsysteme, wie beispielsweise EmergencyEye, längst integriert.
„Die Zukunft liegt in einheitlichen Standards, moderner Technik und besserer Verzahnung der Systeme, aber ganz sicher nicht im Abbau regionaler Strukturen“, so Landrat Warnecke.
Sicherheit braucht Nähe
Der Landkreis Hersfeld-Rotenburg wird sich daher klar dafür einsetzen, dass regionale Leitstellen erhalten und weiterentwickelt werden. Eine Reform der Notfallversorgung darf nicht zu Lasten der Sicherheit, Erreichbarkeit und Qualität gehen.
„Unsere Bürgerinnen und Bürger erwarten zu Recht, dass im Notfall jemand ans Telefon geht, der weiß, wo Ransbach, Oberellenbach oder Rhina liegen – und welche Ressourcen vor Ort verfügbar sind“, so Warnecke abschließend.


