
Gefahrenabwehr
Vorbereitet auf den Ernstfall: Großtierrettung am Landwirtschaftszentrum Eichhof trainiert
In der landwirtschaftlichen Tierhaltung kann es immer wieder zu Stallbränden oder Unfällen kommen, bei denen Schweine, Rinder oder Pferde in akute Notlagen geraten. In solchen Krisensituationen ist eine koordinierte und fachgerechte Großtierrettung entscheidend. Wie diese im Ernstfall wirkungsvoll umgesetzt werden kann, vermittelte am 17. Juni 2026 das Seminar „Technische Großtierrettung“ am Standort des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen (LLH) in Bad Hersfeld. Im dortigen Landwirtschaftszentrum (LWZ) Eichhof fand die von der hessischen Landestierschutzbeauftragten, Dr. Madeleine Martin, initiierte Veranstaltung statt.
Großtierrettung unter realistischen Bedingungen
„Die Rettung von Großtieren erfordert Fachwissen, Teamarbeit und den richtigen Einsatz von Technik. Mit dem Eichhof stellen wir den geeigneten Standort für technische Rettungseinsätze zur Verfügung und schaffen realitätsnahe Trainingsbedingungen“, betont Anna Mawick, Abteilungsleiterin Fachinformation beim LLH und Leiterin des LWZ Eichhof.
Die Veranstaltung gliederte sich in eine theoretische Schulung und einen praktischen Teil. Im Mittelpunkt der Fortbildung für Feuerwehren standen die Planung und Organisation von Großtierrettungseinsätzen sowie die sichere Durchführung im Ernstfall – etwa bei Stallbränden, Verkehrsunfällen oder anderen Unfallereignissen mit Pferden, Rindern oder Schweinen. Neben der Vermittlung theoretischer Grundlagen wurden insbesondere die Rollenverteilung im Rettungsteam sowie die Zusammenarbeit zwischen Einsatzkräften und Tierärztinnen und Tierärzten thematisiert.
Praxisansatz für Einsätze mit Großtieren geschult
Geleitet wurde das Seminar von Tierarzt, Genetiker und Verhaltensforscher Ronald Rongen, der seit vielen Jahren zum stressarmen Umgang mit Nutztieren arbeitet. Der Gründer von Low Stress Stockmanship Europe (LSSE) vermittelte praxisnah Methoden für die ruhige und sichere Arbeit mit Herdentieren. Grundlage ist der Ansatz des „Low Stress Stockmanship“ (LSS), der vom Amerikaner Bud Williams entwickelt wurde. Im Fokus der Methode steht, den Zusammenhang zwischen menschlichem Handeln und dem Verhalten der Tiere besser zu verstehen und dieses Wissen in der Praxis anzuwenden.
„Der stressarme Umgang mit Nutztieren ist kein theoretisches Konzept, sondern entscheidend für die Sicherheit von Mensch und Tier – sowohl im Arbeitsalltag als auch in Einsatzsituationen. Wer weiß, wie Tiere auf umgebungsbedingte Reize reagieren, kann dadurch sicherer, effizienter und tiergerechter arbeiten. Dieses Wissen hilft, Situationen deutlich besser einzuschätzen“, erklärte Referent Ronald Rongen.
Feuerwehren für Einsätze mit Großtieren geschult
Der praktische Teil umfasste das Training verschiedener Einsatzszenarien mit einem professionellen Pferdedummy. Geübt wurden unter anderem Rettungen aus Hanglagen oder schwierigem Gelände und aus einem Pferdeanhänger. Dabei wurden Spezial- und Sicherungsgeräte, Fädel- und Zugtechniken sowie unterschiedliche Sicherungssysteme angewendet. Ebenfalls wurde trainiert, wie Hilfsmittel wie Schleifplatten oder Hebegeschirre eingesetzt werden können.
Einsätze mit Großtieren seien für die Feuerwehren im Landkreis Hersfeld-Rotenburg besondere Lagen, auf die man gut vorbereitet sein müsse, sagte Kreisbrandinspektor Marco Kauffunger und erklärte: „Wenn Pferde, Rinder oder andere Großtiere in Not geraten, braucht es Fachwissen, Ruhe und ein gutes Zusammenspiel aller Beteiligten. Die Fortbildung hat unseren Einsatzkräften praxisnah gezeigt, worauf es ankommt: Tiere sicher zu retten, Menschen zu schützen und die Lage kontrolliert abzuarbeiten. Davon profitieren unsere Einsatzkräfte – und im Ernstfall auch die Tiere und ihre Halter.“
Ziel der Veranstaltung war es, die Teilnehmenden bestmöglich auf komplexe Einsatzlagen mit Großtieren vorzubereiten und die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu stärken, um so im Ernstfall durch eine koordinierte Rettungsaktion Leid für Tier und Halter möglichst zu vermeiden. Eine erfolgreiche Tierrettung im Brandfall beginnt bereits vor dem eigentlichen Einsatz: Entscheidend sind ein organisierter Brandschutz, klare Rettungswege, abgestimmte Einsatzkonzepte und die regelmäßige Zusammenarbeit zwischen Feuerwehren und landwirtschaftlichen Betrieben.
Mit zunehmender Digitalisierung kommt zudem immer mehr elektrische Technik in Ställen zum Einsatz. Automatische Fütterungs-, Entmistungs- und Melksysteme sowie Photovoltaikanlagen erleichtern die Arbeit, stellen aber gleichzeitig höhere Anforderungen an den vorbeugenden Brandschutz, da in einigen Fällen Stallbrände auf elektrische Ursachen zurückzuführen sind.


