
Grünes Band
Landschaftspflegeverband und Landkreis stellen Wackelkarten zum Grünen Band vor
Im Handumdrehen lässt sich Geschichte erlebbar machen: Dies ermöglichen vier neue Wackelkarten, die der Landschaftspflegeverband Hersfeld-Rotenburg e. V. gemeinsam mit dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg präsentiert.
Das Grüne Band ist sowohl in Hessen als auch in Thüringen als Nationales Naturmonument geschützt. Hierfür Informations- und Bildungsarbeit zu leisten, stellt eine der Aufgaben des Landschaftspflegeverbandes Hersfeld-Rotenburg e. V. (LPV) dar. Am Grünen Band ist ein bemerkenswertes Nebeneinander zu erleben: Orte zum Gedenken an die jahrzehntelange Teilung Deutschlands und deren Überwindung sowie die Entwicklung eines einzigartigen Verbundes unterschiedlichster Lebensräume.
Grünes Band mit „Flip-Effekt“
„Unser Ziel ist es, gerade Jugendliche in das komplexe Thema mit einem schlichten, aber eindrucksvollen Medium einzuführen – die Wackelkarten sind sehr anschaulich“, erklärt Erster Kreisbeigeordneter Dirk Noll, der auch Vorstandsmitglied im Landschaftspflegeverband Hersfeld-Rotenburg ist. Der sogenannte Flip-Effekt macht es möglich: Ein historisches Foto aus dem Archiv wird mit dem aktuellen Bild aus derselben Perspektive in einer Postkarte kombiniert. So ergibt sich beim leichten Drehen der Karte der schnelle zeitliche Wechsel mit dem Anblick vor und nach dem Wegfall der Grenzanlagen. Zu sehen ist dann unter anderem wie Hochstauden, Gebüsche und Wald einst abgeriegelte und dem freien Schussfeld dienende Bereiche wieder eingenommen haben.
„Mit dem Postkartenformat und dem haptischen Erlebnis erreichen wir ein breites Publikum und die Botschaft des Nationalen Naturmonuments – Naturschutz und Erinnerungskultur – liegt buchstäblich auf der Hand“, erklärt Harald Preßmann, Vorsitzender des Landschaftspflegeverbandes Hersfeld-Rotenburg e. V. (LPV). Man habe sich von einem Vorläuferprojekt des Grenzmuseums Schifflersgrund im Landkreis Eschwege inspirieren lassen.
Die Motive
Für das eigene Vorhaben sei dann ein Motiv aus jeder der vier am Grünen Band gelegenen Kommunen des hiesigen Landkreises ausgewählt worden, so aus Heringen, Hohenroda, Philippsthal und Wildeck. Dazu habe man mit Archiven und auch Ehrenamtlern zusammengearbeitet. Zu sehen sind der Fuldaische Berg bei Obersuhl und Gerstungen, die Werra-Aue bei Widdershausen und Dankmarshausen, die Brücke der Einheit in Philippsthal und Vacha sowie die Wegeverbindung Mansbach/Wenigentaft.
Die Entwicklung der Karten
„Aufwändig war nicht nur die Recherche zu geeigneten Motiven mit Wiedererkennungswert in den Archiven und bei Zeitzeugen. Als anspruchsvoll erwies sich ebenfalls das Auffinden des ursprünglichen Standorts des Fotografen und die Überprüfung einer noch irgendwie offenen Blickachse für das aktuelle Foto“, führt Preßmann aus. Allerdings sei es Dank sorgfältiger Vorbereitung möglich gewesen, an einem Tag im Freiland fünf Motive von Obersuhl bis Mansbach neu zu fotografieren, von denen dann vier ausgewählt worden seien. „Wir haben mit Heribert Schöller einen erfahrenen Fotografen gewinnen können, der vor längerer Zeit einen Film zum Grünen Band für arte und ARD gedreht hat“, so der Vorsitzende weiter. „Unser Dank gilt allen, die uns bei der Umsetzung unterstützt haben.“
Der Einsatz der Karten
Bei Streifzügen mit Schulklassen am Grünen Band und bei weiteren Info-Veranstaltungen schaffen die Lentikularkarten, wie die Fachbezeichnung lautet, einen gelungenen Einstieg in die Themen „Kalter Krieg, Eiserner Vorhang und friedliche Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten“. Sie können die Jugendlichen neugierig machen und sie bei der Spurensuche an der ehemaligen Grenze unterstützen. Ja, sie könnten sogar ein nützliches Souvenir sein, wie Erster Kreisbeigeordneter Dirk Noll betont: „Das Grüne Band ist ein lebendes Denkmal der jüngeren deutschen Geschichte. Es mahnt uns zur Verantwortung und sendet gleichzeitig eine positive Botschaft der Grenzüberwindung, des Zusammenwachsens und der Wiederbelebung. Dies ist angesichts der heutigen politischen Entwicklungen aktueller denn je.“ Gefördert wurde das Wackelkarten-Projekt vom Land Hessen mit einer Auflage von 500 Exemplaren pro Motiv. Archivfotos wurden unter anderem von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und vom Grenzmuseum Schifflersgrund zur Verfügung gestellt. Die Weitergabe der Wackelkarten erfolgt kostenlos und in der Regel im Rahmen von Veranstaltungen zum Grünen Band.


