„Die Chancen nutzen, die der
Demographische Wandel eröffnet“
Landrat Dr. Schmidt: Region zukunftsfähig gestalten  /  Erster Kongress
zur Veränderung in der Gesellschaft von Hersfeld-Rotenburg eröffnet



Reges Interesse am ersten Demographie-Kongress des Landkreises Hersfeld-Rotenburg, der von Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt – links neben Erster Kreisbeigeordneter Elke Künholz – eröffnet wurde


Die Bevölkerungsabnahme nach Kommunen


Vier Graphiken zur demographischen Entwicklung im Landkreis Hersfeld-Rotenburg als PDF-Dateien:




Für eine größere Darstellung bitte auf das Foto klicken

(Bad Hersfeld, 17. Februar 2010).  Der demographische Wandel stellt uns vor große Herausforderungen. Unser Kreis gehört zu den ländlichen Regionen in Hessen, die in den nächsten Jahren einen überdurchschnittlich hohen Bevölkerungsrückgang zu erwarten haben. Dies zeigen die Ergebnisse und Prognosen der Bevölkerungsentwicklung. Das macht eine Beschäftigung mit dem Demographischen Wandel unabdingbar. Er hat vielfältige Auswirkungen auf Wirtschaft, Arbeit, soziale und technische Infrastruktur, Verkehr, Stadt- und Dorfentwicklung, Finanzen sowie Haushalts- und Familienstrukturen. Krise und Chance liegen auch beim demographischen Wandel eng beieinander und ich denke, wir sollten der Nutzung der Chancen ein wesentliches Augenmerk zukommen lassen.“ So eröffnete Landrat Dr. Karl-Ernst Schmidt einen Demographie-Kongress, zu dem er Vertreter gesellschaftlich relevanter Gruppierungen sowie politische Verantwortungsträger eingeladen hatte.

Der Bevölkerungsrückgang im Landkreis Hersfeld-Rotenburg ist bereits Realität, führte Landrat Dr. Schmidt aus:

  • Die Einwohnerzahl ist seit 1995 von 133.159 auf heute rund 123.338 gesunken – das ist ein Minus von 7,4 Prozent in 14 Jahren!   Und
  • Das Durchschnittsalter im Landkreis beträgt rund 44,2 Jahre und wird 2020 voraussichtlich bei 47,7 Jahren liegen.

Als wesentliche Ursachen für diese Entwicklung nannte der Landrat die gegenüber der Sterberate wesentlich niedrigeren Geburtenzahlen: 2008 gab es gegenüber 1.615 Verstorbenen nur 904 Neugeborene, ein Minus von 711. 2007 waren es gegenüber 1.439 Verstorbenen nur 983 Babys, ein Minus von 456.

Die Geburtenrate pro Frau betrug 2002 in Hersfeld-Rotenburg 1,42 Kinder, in Werra-Meißner-Kreis 1,35 Kinder, im Schwalm-Eder-Kreis         1,36 Kinder und im Landkreis Fulda 1,53 Kinder. Hessenweit betrug der Schnitt 1,36 Kinder pro Frau und im Bundesdurchschnitt bekam eine Frau 1,38 Kinder. Aber: 2,1 Kinder pro Frau wären nötig, um in der Bevölkerungszahl stabil zu bleiben. Hinzu kommt ein negativer Wanderungs-Saldo, der in erster Linie aus dem Wegzug jüngerer und höher qualifizierter Menschen resultiert.

„Dies ist die Realität – diesen Fakten müssen wir uns stellen. Und genau deshalb sind wir heute zusammen“, rief der Landrat den Kongress-Teilnehmern zu. Den Kreis zukunftsfähig zu gestalten bedeute, ihn auf den demografischen Wandel und damit einhergehende Veränderungen vorzubereiten. Eine breite gesellschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema sei erforderlich, die Politik, Verwaltung, Vereine und Verbände sowie Bürgerinnen und Bürger einbeziehe und aktiv beteilige. „Wir müssen die Menschen noch mehr sensibel machen für das Thema und sie auf dem Weg der Veränderung mitnehmen“, fügte Landrat Dr. Schmidt an.

Als wesentliche Fragen, die es zu beraten gelte, nannte er:

  1. Wie werden wir in unseren Städten und Gemeinden mit immer weniger Kindern und immer mehr älteren Menschen den Erhalt und die Sicherstellung der Infrastruktur und der Versorgungseinrichtungen bewerkstelligen ?

  1. Welche Konsequenzen ergeben sich für aus dem demografischen Wandel für die Leerstands-Entwicklung und den Finanzhaushalt?

  1. Welche Strategien und Konzepte müssen in zentralen kommunalen Politikfeldern wie Infrastruktur-Politik, Bildung, Kinder- und Familienfreundlichkeit, Seniorenpolitik oder Integration entwickelt und umgesetzt werden?

  1. Welche Handlungsfelder haben für die Kommunen Priorität, was muss ganz konkret getan werden?

  1. Wie können die Ideen und Potenziale der Bürgerinnen und Bürger in die Entwicklung eingebracht werden?

Der demografische Wandel fordere von allen neue Wege und kreative Lösungen, sagte Dr. Schmidt. Es sei notwendig, unterschiedlichen Ideen zu entwickeln, denn aus dem demographischen Wandel ergäben sich auch Chancen:.

  • Die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungsangeboten für ältere Menschen nehmen zu.
  • Die Beschäftigungschancen steigen; insbesondere für Frauen und Menschen mit Migrationshintergrund.
  • Der Ausbau zivil-gesellschaftlicher Hilfs- und Unterstützungsstrukturen wird eine neue Qualität bekommen.
  • Das gesellschaftliche Engagement muss weiter befördert werden. Mehr Ehrenamtliche bedeuten auch mehr Miteinander der Menschen und mehr Gesamtverantwortung Aller.

„Die Lebens- und Arbeitsbedingungen entscheiden über die Zukunftsfähigkeit einer Region. Deshalb lautet für mich die Frage: Welche Eigenschaften braucht unsere Region, unsere Heimat, damit unser Landkreis im 21. Jahrhundert eine erfolgreiche und lebenswerte Region in der deutschen Mitte in Europa sein kann und bleiben kann?“ führte Landrat Dr. Schmidt aus. Diesen Fragen widmete sich dieser erste Kongress, dem zwei weitere folgen sollen, wie Dr. Schmidt abschließend ankündigte.